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Schreiben, was vor die Füße fällt: „Literaturbraut“ entführt ins Dunkel

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„Literaturbraut“
Dr. Katrin Sell
Telefon:0 30/95 62 08 18
Website:www.schreibwerkstatt-hauptmannmuseum.de

Geheimnisvolles Museum

Stand: Dezember 2020

Beherbergt Erkners international bekanntes Wahrzeichen dunkle Geheimnisse? So findet hier immer an einem bestimmten Tag im Monat ein Treffen im Dunklen statt, von dem nur sehr wenige etwas wissen.

Zeitpunkt dafür ist jeweils am letzten Freitag des Monats. Die Interessierten finden sich dann im Veranstaltungssaal wieder, im Dunklen, zumindest solange, bis der Beamer anläuft. Dann hat sich der Saal am ehrwürdigen Gemäuer der früheren Villa in ein kusch­liges Kino verwandelt. Allerdings, kaum einer weiß davon!

Geheimnisvolles Kino
Der Grund: „Aus lizenzrecht­lichen Gründen dürfen wir die Filmtitel nicht im Voraus verraten. Damit soll eine Konkurrenz zum kommerziellen Kino vermieden werden. Was also auf die Leinwand kommt, bleibt ein Geheimnis, bis der Film anläuft“, gibt Dr. Katrin Sell Einblick. „In dem Veranstaltungsprogramm ist jeweils nur das Thema, um das es geht, zu erkennen.“
Dennoch hat die ungewöhn­liche Kinoreihe seit nunmehr bereits 17 Jahren eine große Anziehungskraft auf Cine­asten im weiteren Umkreis.
Diese Erfolgsgeschichte sollte doch mal aufgeschrieben werden!

Neues Buch
Dafür wäre eine weitere Gruppe von Aktiven prädestiniert, die sich hier ebenfalls unter Obhut von Dr. Katrin Sell trifft: „Ich leite außerdem die Schreibwerkstatt“, verblüfft sie. „Wir haben gerade unsere zweite Veröffentlichung herausgebracht. Im Gegensatz zu sonst stand sie diesmal unter einem festgelegten Thema. Es ging darum, Texte zu verfassen, die mit Gerhart Hauptmann zu tun haben. Anfangs stieß das nicht bei allen Teilnehmern auf Zustimmung. Doch dann kam eine sehr interessante Sammlung von Texten unter dem Titel ‚Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang‘ heraus“, freut sich die Initiatorin.

Religion und Film
Mit Dr. Katrin Sell hat Erkner eine ungewöhnlich vielseitige Frau für sich gewinnen können. Die 54-Jährige war in der DDR Religionspädagogin.
„Es war für mich wegen meiner Nähe zur Kirche von vorne­herein klar, dass ich dort nicht zum Studium zugelassen werden würde. Also habe ich es erst gar nicht versucht“, beweist sie einen großen Sinn für die Realität.
Gleich mit der Wende konnte sie das nachholen. „Ich habe mich an der ‚Hochschule für Film und Fernsehen‘ in Potsdam beworben und wurde auf Anhieb genommen. Ich studierte Regie und Drehbuch, interessiere mich außerdem sehr für Filmgeschichte. Als ich erlebte, dass meine Drehbücher zwar Anklang fanden, die Produzenten aber immer alles umschreiben wollten, habe ich mich beruflich auf Filmgeschichte spezialisiert.“ Wichtige Interessensgebiete waren DEFA, UFA und deren „rote“ Konkurrenz in der Vorkriegszeit, „Prometheus-Film“. Sie erforschte, wie sich die Rolle der Frau in den DEFA-Filmen mit der Zeit änderte.

Zu intime Einblicke?
Allerdings loderte in ihr weiterhin die Leidenschaft am Schreiben. Das Ergebnis war „Tagtraumglück“, ein Roman, in dem sie persönliche Erfahrungen verarbeitete. Es geht um eine 28-Jährige die eine Liebe erlebt, die sie nicht leben will. Allerdings spricht sie mittlerweile weniger gern über ihr Erstlingswerk, aus Angst, darin zuviel über sich selbst verraten zu haben! Stattdessen hat sie sich nun auf kürzere Texte umgestellt, denn „diese brauchen weniger Zeit zum Schreiben“, so ihre Begründung.

Braut lädt ein
Die „Literaturbraut“, wie sich Dr. Katrin Sell selbst halbironisch nennt, würde sich übrigens über weitere angehende „Jungautoren“ in der Schreibwerkstatt freuen. Bisher ist hier eher die Generation ab 50 Jahren vertreten. Dabei haben Jüngere sicher ebenfalls schon einiges zu erzählen, denn die Geschichtenschmiede von Erk­ner ist thematisch sehr offen: „Schreiben Sie, was Ihnen vor die Füße fällt“, lädt die „Literaturbraut“ ein.

Erstellt: 2020